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Spiele im Freien (4/4)

Quelle: Wagner, Hermann: Illustriertes Spielbuch für Knaben (20. Auflage), Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1903

4. Kugeltreiben und Kegelspiele

Zu den Treibkugel-Spielen und zum Kegeln verwendet man größere hölzerne Kugeln. Letztere werden entweder mit einem hölzernen Hammer (Schlegel) geschlagen oder mit der Hand geworfen, d. h. geschoben, welches letztere beim Kegeln die Regel ist. Von den Treibspielen ist zu seiner Zeit am meisten beliebt das Kolbenspiel gewesen, welches unter dem Namen Mailspiel früher in Frankreich mit großer Leidenschaft getrieben wurde. Einfacher ist das sogenannte Bockscheibenspiel und das Bocciaspiel, zusammengesetzter das englische Krocketspiel, welches in neuerer Zeit ebenso bei deutschen Familien wie namentlich bei der deutschen Jugend Eingang gefunden hat.

Das Kugelschlagen oder das Kolben-(Mail-)Spiel

erforderte ehemals eine lange Bahn von etwa 400 Schritten, welche möglichst eben und mit feinem Sand bedeckt sein mußte. An den Seiten war sie meistens von Bäumen eingefaßt, und an jedem Ende stand ein thorähnlicher, kleiner eiserner Bogen, durch den schließlich die Kugel getrieben werden mußte. Die Kugeln wurden aus Buchsbaumholz hergestellt, und zwar nahm man hierzu die kugelförmigen Wurzelauswüchse, die mitunter der Buchsbaum auf Felsenboden bildet, und drechselte sie vollends rund. Ihre Vollkommenheit erhielten sie jedoch erst durch längeres Schlagen.

Zum Schlagen ward ein hölzerner Hammer mit langem Stiele angewendet, dessen Kopf an beiden Enden mit Eisenreifen armiert war. Es spielten entweder zwei einzelne Spieler oder zwei Parteien um die Wette und suchten mit möglichst wenigen Schlägen die Kugel von dem einen Ende der Bahn durch das Thor am andern Ende zu treiben. Mitunter spielte man auch im freien Felde und bezeichnete bei diesem Kugelschlagen mit Hindernissen einen entfernten Baum oder ähnlichen Gegenstand als zu erreichendes Ziel.

Das Mailspiel soll durch die deutschen Ritter in Europa eingeführt worden sein, die es im Orient kennen lernten. Bei den Persern und Arabern war es schon längst in Gebrauch. Bei einer Art Mail ward die Kugel rasch innerhalb eines Kreises, in dessen Umfang die Mitspieler standen, herumgetrieben, so daß sie an einem oder mehreren der letzteren vorbeikam, ohne von denselben getroffen zu werden.

Bockscheiben

Die Spielenden stellen mehrere Kugeln auf flachem Boden so auf, daß alle in gehörigen Zwischenräumen dastehen. In der Hand hat jeder noch eine größere Kugel, mit der er nach den kleineren schiebt. Alle Kugeln, die einer aus der Reihe stößt, sind gewonnen. Jeder Spieler macht nur einen Schub. Das wird so lange fortgesetzt, bis alle Kugeln aus der Reihe gestoßen sind, dann wird von neuem angesetzt.

Ähnlich diesem Spiele ist das sogenannte Bocciaspiel. In der Regel nimmt man hierbei 13 Kugeln, außer einer roten sechs schwarze und sechs gelbe zur Unterscheidung der beiden Parteien, deren jede 2-6 Teilnehmer stark sein darf. Ist die rote Kugel oder das bewegliche Ziel (Lecco) von der durch das Los bestimmte Partei ausgeworfen, so schiebt dasselbe Mitglied, z. B. der gelben Partei, eine zweite Kugel von dem bestimmten Standpunkte aus und sucht damit dem Lecco so nahe wie möglich zu kommen. Dann folgt ein Mitglied der schwarzen Partei mit dem nämlichen Bemühen. Ist die gelbe Kugel jedoch dem Ziele näher gekommen und geblieben, dann schieben die Mitglieder der schwarzen Partei so lange weiter, bis eine ihrer Kugeln näher steht als die der gelben. Dabei wird zum eignen Vortei versucht, das bewegliche Ziel durch Anstoß zu verrücken, eine Absicht, die aber mitunter verfehlt wird und zum eigenen Nachteil ausschlägt. Keine Kugel darf zurückgenommen werden, bis jede Partei ihre letzte ausgeworfen hat. Ist von der schwarzen Partei ein näherer Standpunkt erreicht, so bleiben die ausgeschobenen Kugeln und die gelbe sucht aufs neue, jene zu überflügeln und deren Kugeln vom Lecco weg und sich diesem nahe zu bringen. Dies wird so lange fortgesetzt, bis keine mehr einen Ball zum Auswerfen hat.

Nun werden die Kugeln, welche dem Lecco am nächsten, gezählt, für jede Kugel ein Point berechnet, notiert und dann weggenommen, worauf man von neuem schiebt, nachdem das Lecco von der Partei, welche gewonnen, d. h. zuerst 12 Points zählt, ausgesetzt worden. Angenommen, der Standpunkt sei folgender:

Hier stehen die gelben Kugeln b c d dem Lecco am nächsten und die Partei der gelben Kugeln hat drei Points gewonnen; die Kugeln a e f zählen deshalb nicht mehr mit, weil die schwarzen Kugeln g i näher am Lecco stehen, obschon letztere nichts für die schwarze Partei zählen.

Ein Hauptreiz des Spieles besteht darin, daß es durchaus keines glatten oder nur ebenen Bodens bedarf; der Lecco kann z. B. einen Rasenabhang hinauf oder hinab, oder auf eine um mehrere Stufen höhere oder tiefere Terrasse in beliebiger Entfernung geworfen werden. Auch der Wechsel des Standpunktes des den Lecco Auswerfenden bei jeder neuen Partie erhöht den Reiz, doch muß jeder nach ihm Werfende sich gleichweit vom Lecco stellen.

Das Krocket,

ein Treibkugelspiel, welches mit farbigen Holzkugeln unter Anwendung von Holzhämmern und mit Aufstellung von kleinen eisernen Bogen (Ringen oder Thoren) gespielt wird. Die Spieler teilen sich in zwei Parteien, von denen jeder Teilnehmende eine verschiedenfarbige Kugel nebst entsprechendem, d. h. gleichfarbigem Hammer bekommt.

Der Weg, welchen die Kugeln entlang getrieben werden, ist durch die Bogen, welche sie zu durchlaufen haben, vorgezeichnet. Vom Anfangspfosten I ist die Kugel der Reihe nach durch die Thore 1 bis 7 zum Wendepfosten II zu treiben und von dort zurück in der Reihenfolge 8, 9, 10 bis 14 zum Anfangspfosten I. Diejenige Partei, welche zuerst durch ihre Teilnehmer ihre sämtliche Kugeln diesen ganzen Weg hat zurücklegen lassen, gilt als Sieger. Die einzelnen Teilnehmer jeder Partei spielen abwechselnd, d. h. zunächst ein Mitglied der einen Partei, dann eines der andern, dann wieder eines der ersten Partei u. s .w. Jeder Spieler, der an der Reihe ist, kann so lange seinen Ball treiben, als derselbe Thore durchläuft. Berührt er hierbei einen andern Ball, so gilt dies, als ob ein Bogen durchlaufen wäre, das heißt, der Mitspieler kann, obschon er letzteres nicht gethan, weiter spielen. Auch kann er statt dessen krockettieren (croquieren), wodurch das Spiel mannigfaltigen Reiz erhält. Er legt in diesem Falle seinen Ball an den getroffenen Ball an, tritt mit dem (linken) Fuße auf seinen Ball und schlägt diesen mit dem Hammer. Der Schlag überträgt sich dann auf den andern Ball und treibt letzteren fort. Ist es ein gegnerischer Ball, so pflegt man ihn durch Anwendung starken Schlages fernhin zu treiben; ist es ein Ball der eignen Partei, so treibt man ihn durch geschickten Schlag in eine günstige Lage, z. B. dem nächsten Bogen zu. Wer zuerst sämtliche Bogen durchlaufen hat, kann bis zum Ende des Spieles als sogenannter Räuber, so oft die Reihe an ihn kommt, einen freundlichen oder feindlichen Ball im Interesse seiner Partei krockettieren.

Das gewöhnliche Kegelspiel

Eine Bahn von etwa anderthalb Meter Breite und etwa dreißig Meter Länge wird möglichst wagerecht gelegt, der Boden festgeschlagen und mit Platten belegt. Am Standort der Spieler ist ein etwa zwei Meter langes Wurfbrett im Fußboden befestigt. Auf diesem muß die Kugel beim Wurfe zuerst aufschlagen. Wirft sie der Spieler weiter, daß sie jenseits diese Brettes aufschlägt, so gilt der Wurf nicht und der Spielende wird um einen Punkt bestraft. Die Seiten der Bahn sind mit Brettern eingefaßt. Am letzten Ende ist ein viereckiges Brett wagerecht im Boden befestigt und an den Stellen mit Eisenblech beschlagen, auf welche die neun Kegel zu stehen kommen. In der Mitte steht der Kegelkönig, die acht andern Kegel sind auf die Ecken und in die Mitten der Seiten verteilt. Hinter dem Brett ist eine Grube und um diese ein Kugelfang aus Weidengeflecht, welcher die Kugeln aufhält. Hier hat der Kegelaufsteller seinen Posten, der zugleich die Zahl der gefallenen Kegel ausruft und die Kugeln den Spielern wieder zurollt. Letzteres geschieht in einer seitwärts angebrachten Rinne aus Latten, die in einem Kasten neben dem Standorte der Spieler endigt. An letzterem befindet sich außerdem eine Tafel mit Kreide oder Schiefer zum Anschreiben der Punkte. Man verfährt dabei in der Weise, daß zum Anfange jedem Spieler eine bestimmte Anzahl Punkte gewissermaßen als Schuld angeschrieben wird: 100, 64, 50, 40 oder wie man sich sonst vereinbahrt. Über der Erfolg des Wurfes sind zahlreiche Regeln festgestellt, von denen wir hier nur die wichtigsten vorführen. Erreicht eine Kugel bei zu mattem Wurf die Kegel gar nicht, so gilt dies als ein Loch und zählt einen Punkt Strafe, d. h. es wird der Schuld eins zugezählt. Rollt die Kugel an der Seite neben den Kegeln vorbei, so ist ein Bock geschossen, der dem Spieler einen Punkt Strafe zuzieht. Rollt die Kugel durch die Mittelreihe, so daß sie beim beim König vorbeikommt, so bezeichnen dies die Kegelspieler als "Methode" und rechnen dafür drei Punkte gut. Der König allein umgeschossen gilt ebenfalls drei Punkte. Wer acht wirft, schreibt sich 16 Überschuß. Wirft einer alle acht Kegel rings um den König oder alle neun Kegel, so gilt das 24 Punkte gut. Es können entweder die Spieler jeder auf seine Rechnung spielen oder sie teilen sich in zwei Parteien. In diesem Falle setzen sie die anfängliche Schuld gewöhnlich höher, etwa auf 300.

Außer diesem Kegelspiel auf der gewöhnlichen Bahn gibt es noch eine andre Art, welche auf runder Bahn gespielt wird. Die Kegel werden hierbei auf der Mitte eines möglichst großen Platzes aufgestellt und in gehöriger Entfernung um dieselben wird ein Kreis gezogen, der den Spielern als Standort dient. Jeder Spieler kann nun von einem beliebigen Punkte aus nach den Kegeln kugeln.

Das Blindkegeln

Die neun Kegel werden hier in gewöhnlichen Zwischenräumen aufgestellt. Der Spieler läßt sich die Augen verbinden und stellt sich in angemessener Entfernung vor den Kegeln auf. Hierauf dreht ihn eine der Mitspielenden dreimal auf dieser Stelle herum, während jener die Kugel in der Hand hält. Sowie er nun steht, rollt er die Kugel unter die Kegel und wird selten einen treffen, da er meist eine den Kegeln entgegengesetzte Richtung einnimmt. Wer, wenn alle der Reihe nach geworfen, die meisten Kegel getroffen, gewinnt den Einsatz.

Das Wurfkegelspiel

Die neun Kegel werden in gewöhnlicher Weise auf einem wagerechten Brette (Leg) aufgestellt. Daneben erhebt sich in einiger Entfernung eine hohe Stange, welche oben einen Querarm bis über die Kegel ausstreckt. An diesem ist gerade über der Mitte der Kegel eine Schnur mit einer Kegelkugel befestigt, die man durch eingegossenes Blei noch schwerer gemacht hat. nachdem die Kegel aufgestellt sind, zieht man die Kugel seitwärts und versetzt sie kräftig in Kreisschwingung, um hierdurch eine möglichst große Anzahl Kegel umzuwerfen.

Die Kegel dürfen aber durch die Schnur nicht anders als vorwärts, nachdem die Schnur mit der Kugel einen halben Bogen um den Kegelstand beschrieben hat, getroffen werden. Während der ersten Gänge des Spieles wirft jeder dreimal hintereinander; sind beim dritten Mal alle Kegel gefällt, so gilt der dreifache Gesamtwurf gleich 24; sind zusammen nur 8 Kegel gefallen, so gilt dies 12. - Häufig wird das Spiel von zwei Parteien gespielt, von welchen dann abwechselnd je ein Teilnehmer zum Werfen gelangt.

Kegeltisch

Als eine hübsche Nachahmung des Kegelspiels im Freien hat man fürs Zimmer den Kegeltisch eingerichtet, eigentlich ein flacher, offener Kasten von etwa 2 m Länge, 60 cm Breite und 10 cm Höhe. Das eine Ende desselben ist im Halbkreis abgerundet, und es läuft von vorn an der rechten Seite längs jener Abrundung eine Rinne, welche sich nach der Mitte zu im Kreisbogen umbiegt und vor den aufgestellten neun kleinen Kegeln endigt. Der Boden der Rinne ist am Anfange schräg. Als Wurfgeschoß dient eine Billardkugel, die mit einem Stabe gestoßen wird.

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